{"id":70,"date":"2025-09-22T08:33:46","date_gmt":"2025-09-22T08:33:46","guid":{"rendered":"https:\/\/phlebas.de\/?p=70"},"modified":"2025-09-22T08:33:46","modified_gmt":"2025-09-22T08:33:46","slug":"rauschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/phlebas.de\/?p=70","title":{"rendered":"Rauschen"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wald<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Begegnung<\/h3>\n\n\n\n<p>Er trat voll in die Pedale. Es machte Spa\u00df, den Wind auf der Haut zu sp\u00fcren. Auch wartete das k\u00fchle Dunkel des Waldes verlockend vor ihm. Die Sonne br\u00fctete die Felder um ihn herum. Da versprach das Laubdach der dicht an dicht stehenden B\u00e4ume Linderung vor der Mittagshitze. Er sah \u00fcber sich den Bl\u00e4ttern zu, wie sie sich gefr\u00e4\u00dfig \u00fcber den Himmel hermachten. Das tiefe Blau wich sattem Gr\u00fcn, hell leuchtend dort, wo die Sonne nur etwas verdeckt wurde, fast schon schwarz abseits des Weges weit in den Tiefen des Waldes. Die frische K\u00fchle tat seinem kleinen K\u00f6rper gut. Mit neuer Energie st\u00fcrmte er den Berg hoch, den sein Vater eine Mor\u00e4ne nannte. Oben angekommen erkannte er in der Ferne schon den Lichtfleck. Seine Lichtung. Ein von den Erwachsenen vergessener Ort. Der alte Mathes holte damals duftendes Heu aus dieser Waldoase. Er erinnerte sich an den bellenden Traktor und den klappernden Ladewagen. Er durfte oft mitfahren. Immer dann f\u00fchlte er sich als etwas Besonderes. Es war wundersch\u00f6n. Nach Mathes Tod fuhr der Traktor nicht mehr. Seine Kinder seien weit verstreut und keiner h\u00e4tte Interesse an dem Hof, meinte sein Vater. Sie stritten sich wie Bettler, sagte seine Mutter. W\u00e4hrenddessen wucherten die Pflanzen \u00fcber das alte Bauernhaus und das Dorf teilte sich die Felder des Alten. Nur dieser eine magische Ort mitten im Wald wollte niemand haben. Zu klein f\u00fcr die gro\u00dfen Maschinen. Schon der Weg dorthin war kaum breit genug f\u00fcr die Elefanten aus Metall. So verschwand die Lichtung aus dem Ged\u00e4chtnis der Gemeinde. Sie wurde zu seinem Zimmer im Wald. Weit abseits das tagt\u00e4glichen L\u00e4rms bastelte er an einer H\u00fctte und lauschte dabei den Grillen.<br>Er freute sich schon auf den Duft der hohen Wiese und die vielen Tiere und Tierchen, die es sich dort gem\u00fctlich gemacht haben. Doch noch bevor er wieder aus dem Wald herauskam, bemerkte er, dass heute etwas anders war als sonst. Er f\u00fchlte es deutlich. Jemand war ebenfalls hier! Kurz vor der Lichtung stieg er leise von seinem Fahrrad ab und versteckte es vorsichtig im Geb\u00fcsch am Wegesrand. Langsam schlich er sich auf die Waldwiese. Im Grasmeer trieb ein riesiger Wurzelstock. Der \u00dcberrest einer Ulme, die irgendwann einmal keine Kraft mehr hatte, sich gegen die St\u00fcrme zu stemmen. Ihr Holz hat Mathes im Winter gew\u00e4rmt, ihre Wurzeln blieben und verwandelten sich langsam in die H\u00fctte des Jungen. Heute lie\u00df er sein Refugium links liegen. Schritt f\u00fcr Schritt tastete er sich voran. Er atmete kaum, achtete auf jedes noch so leise Ger\u00e4usch. Da war aber nur das Summen der Bienen, die flei\u00dfig Bl\u00fcten best\u00e4ubten. Er bemerkte, dass etwas Wind aufgekommen war. Die B\u00e4ume rauschten leise im Hintergrund. Doch sonst war da kein verd\u00e4chtiges Ger\u00e4usch. Irgendjemand ist hier.<br>\u00dcber dem hohen Gras schwebte etwas. Eine hellbraune Kugel. Erst jetzt f\u00e4llt sie ihm auf. Sie bewegt sich nicht. Wie in der Luft festgenagelt. Zwei Schritte weiter erkannte er den d\u00fcnnen Strich, auf dem die Kugel stand. Das Wunder blieb aus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wald Begegnung Er trat voll in die Pedale. Es machte Spa\u00df, den Wind auf der Haut zu sp\u00fcren. Auch wartete das k\u00fchle Dunkel des Waldes verlockend vor ihm. Die Sonne br\u00fctete die Felder um ihn herum. Da versprach das Laubdach der dicht an dicht stehenden B\u00e4ume Linderung vor der Mittagshitze. 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